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Entwicklung
der Maße und Gewichte
Mit dem Ende des Römischen Reiches
kam auch das Ende des kontrollierten Maß- und Gewichtswesen. Zwar
versuchten die deutschen Kaiser ihrerseits Maße und Gewichte zu normieren,
jedoch wurden ihre Bestrebungen nach einem einheitlich Maßsystem
unterlaufen, da die Aufsicht über die Maße und Gewichte bei
den aufstrebenden Marktflecken lag, und diese zumindest für die am
Ort gehandelten Waren eigene Maßsysteme einführten.(96)
Somit gab es zwar in den unterschiedlichen Orten und Regionen gleichnamige
oder gleichbedeutende Bezeichnungen für Maße und Gewichte, jedoch
waren ihr Inhalt oder ihre Masse verschieden. Ebenso hatten Maße
und Gewichte selben Namens für verschiedene Waren unterschiedliche
Größen. Bei Getreide bspw. wurde zwischen glatter und rauher
Frucht unterschieden.
Auch die Grundherren, welche auf
dem Lande die Aufsicht über Maße und Gewichte hatten, trugen
ihren Teil dazu bei, die Maßvielfalt zu erhöhen: Bei den Hohlmaßen
für das Getreide unterschied man zwischen gehäuften, gestrichenem
oder gerütteltem Maß. Die Abgaben an den Grundherren hatten
grundsätzlich gehäuft zu erfolgen. Um ihre Einnahmen aufzubessern,
gingen einige Grundherren daran, neue Maße einzuführen, welche
schon gestrichen die Menge des alten gehäuften Maßes enthielten.
Somit gingen dann im Laufe der Zeit oft auch die einfachen Verhältnisse
der einzelnen Maßeinheiten untereinander verloren. So hatte das Längenmaß
um 1790 das „gewöhnliche“ Verhältnis: 1 Ruthe = 2 Klafter = 6
Ellen = 12 Fuß = 144 Zoll = 1728 Linien. (96)
Der sorglose und unachtsame Umgang
mit den Eichgefäßen und Urmaßen sowie auch deren Nichtgebrauch
trugen ebenfalls dazu bei, die Anzahl der Varianten zu erhöhen. Hofrat
Michael Wild wußte von seiner Visitationsreise durch Baden zu berichten:
„Und wo und wie werden die Lager-, die Eichmaase verwahrt? In verschlossenen
Kasten auf Schäften; in Kisten untereinander gehäuft; in bewohnten
Kammern auf Kleiderschränken; beisammen oder in den Wohnungen der
Eicher zerstreut; in Archiven und Gerümpelgemachen; oder auf dem Dachboden;
reinlich oder mit Schmutz und Staub und Rost dick überzogen; unschadhaft
oder schon lange zerissen oder auf eine grobe, sorglose Art geflickt; bemerklich
das Fehlende ersetzt oder schon lange mangelhaft, ohne an Ergänzung
zu denken. Da kommen zuweilen nur nach verfolgten Spuren und langem Nachforschen
Muttermaase aus dem hintersten Winkel hervor, die das Tageslicht schon
seit Menschengedenken nicht gesehen haben, und indessen hat die, schon
aus der Art geschlagene, Tochter sich zur Mutterwürde erhoben. Aber
nichts kontrastiert mehr, als wenn man in Eichstätten für Ellen
und Rutenmaas gebrauchte und abgenutzte tannene Stäbe und dann
eisene eingemauerte oder in Stein gehauene findet...“ (95)
Als dann Anfang des 19ten Jahrhunderts
Baden durch die napoleonische Neuordnungen, Reichsdeputationshautpschluß
usw. durch ehemals kirchliche, bayrische, kurpfälzische und österreichische
Besitzungen auf seine heutige Größe anwuchs, vermehrten sich
die im Lande verwendeten Maße nochmals.
Im Auftrage der badischen Regierung
bereiste Anfang 19ten Jahrhunderts der bereist erwähnte Hofrat Michael
Friedrich Wild die badischen Lande um eine Bestandsaufnahme zu erstellen.
Er zählte damals anhand der damaligen Eichstätten: 8 Hauptfußmaße,
111 Ellen, 92 Flächen- oder Feldmaße, 65 Holzmaße, 163
Simre oder Sester, 123 Ohme, Eimer oder Saum, 80 Pfunde und 63 Wirts- oder
Schankmaße. (95) Für
Iffezheim galten damals die Maße
und Gewichte der Eichstätte Rastatt, sowie das Unterländer
Feldmaß (94) .
Um das Land zu einen und den Warenverkehr
im Innern zu erleichtern, mußten dringend einheitliche Maße
und Gewichte geschaffen werden. Angesichts des vehementen Widerstandes
den die Bevölkerung in Frankreich der dortigen Einführung des
metrischen System entgegensetzte, schreckte Hofrat Michael Wild davor zurück,
der Regierung die Einführung des metrischen Systems zu empfehlen.
Statt dessen unterbreitete er der badischen Regierung seinen genialen Vorschlag,
welcher dann unter dem Namen „Mittleres Maß“ bekannt wurde.
Das mittlere Maß basierte
letztendlich auf dem metrischen System, es behielt dabei aber die
althergebrachten Bezeichnungen der Maße und Gewichte und auch deren
Größenordnungen bei, ihre Verhältnisse untereinander wurden
jedoch nach Zehnerpotenzen gerechnet. Das Sester beispielsweise wurde auf
15 Liter festgesetzt. Ein Malter betrug 10 Sester, also 150 Liter. Das
Pfund wurde auf 500 Gramm festgelegt. Ein Stein entsprach 10 Pfund und
war damit 5 Kilogramm schwer. Der Zentner wurde zu 10 Steinen oder hundert
Pfund also 50 kg gerechnet. Das mittlere
Maß galt von 1810 - seine allgemeine Einführung währte
fast über das ganze erste Drittel des Jahrhunderts - bis zur Ablösung
durch das metrische System am 1.1.1872 im Zuge der Reichsgründung.
(95)
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