Abriss des Schulwesens in Iffezheim

Bis in das Jahr 1584 reichen die Spuren
der schulischen Ausbildung in Iffezheim zurück. Jenem Jahr, in dem
Markgraf Phillipp II. befahl, Katechismen zu drucken und an alle
Schulen und Pfarrherren zu verteilen. Nicht etwa um das
Bildungsniveau zu heben, sondern damit die Untertanen in der Religion
des Landesherrn unterrichtet und somit „ein Gott wohlgefällig
Werckh“ vollführt werde, wie Walter Ziegler (130)
und Kurt Hochstuhl (131) in
ihren jeweiligen Ausführungen zum Iffezheimer Schulwesen berichten.
Der Lernerfolg der ersten Schule kann kaum als durchschlagend
bezeichnet werden, denn ein paar Jahrzehnte später konnte lediglich
jeder Zehnte Iffezheimer lesen und schreiben. Im 17. Jahrhundert ging das
Ernennungsrecht der Schullehrer vom Landesherrn auf die
Gemeindeversammlung über. Das Vorschlagsrecht lag beim Dorfpfarrer.
Daher waren pädagogisches Können oder eine Lehrerausbildung weniger
gefragt, als das Orgelspielen und die Leitung des Kirchenchors.
1761 wurde die Gemeinde vom Amt
Stollhofen aufgerufen, dem Lehrer eine größere Wohnung zur
Verfügung zu stellen, da die bisherige zum Unterrichten der großen
Anzahl Schüler zu klein geworden war. Dies führte zum Bau des
ersten, in der Jahresrechnung 1775/1776 erwähnten Schulhauses in
Iffezheim. Dieses befand sich auf dem Gelände der heutigen VR-Bank
in Mittelbaden. Dort wurden auf knapp 50 Quadratmetern in den
Wintermonaten 90 und mehr Kinder unterrichtet.
Durch die „Allgemeine
Landschulordnung“ von 1770 ging die Schulaufsicht auf die örtlichen
Pfarrer über. In Pfarrer Valentin Lay fand sich ein starker
Verfechter der Schule. Anfang des 19. Jahrhunderts war die
Schülerzahl auf 170 Kinder angestiegen, die wechselweise am Vor- und
Nachmittag unterrichtet wurden. Angesichtes der durch die Enge
hervorgerufenen gegenseitigen Behinderungen beim Schreiben, forderte
Lay vehement den Bau eines neuen Schulhauses. Dieses Ansinnen wurde
von Ortsvogt Mathäus Mungenast und den Räten Franz Peter, Andreas
Schneider, Bernhard Oesterle und Josef Lorenz mit Hinweis auf die
drückende Schuldenlast ebenso rund weg abgelehnt wie die Nutzung des
Ratsaales als Schulerweiterung. Erst nachdem Lay 1814 die Gemeinde
verlassen hatte, wurde der Unterricht im Rathaus aufgenommen.
1823 überstieg die Schülerzahl die
200-Marke. Für 2 590 Gulden errichtete der Bauunternehmer Valentin
Lebold aus Kuppenheim nach den Plänen des Bezirksbaumeisters
Vierordt einen Schulhausneubau neben der bestehenden Schule, der im
Sommer 1825 fertiggestellt war. In zwei Räumen fanden je 150 Schüler
Platz, die von einem Haupt- und einem Unterlehrer unterrichtet
wurden.
Um über die Runden zu kommen, übte
der Lehrer, der gleichzeitig das Meßmeramt inne hatte, neben der
Kleinlandwirtschaft ein Handwerk wie Schneider oder Schuster aus oder
arbeitete als Gemeinderechner, um sein kärgliches Einkommen als
Lehrer aufzubessern. Um 1850 betrug sein Einkommen 175 Gulden, ein
Betrag, der heute um die 250 € entspricht. Hinzu kamen Naturalien
wie die „Meßmergabe“ von acht Malter (ein Malter entsprach etwa
145 Liter) Korn und das Schulgeld von einem Gulden je Kind, welches
meist ebenfalls als Naturalie abgegeben wurde.
1853 übernahm der legendäre Josef
Speigler nach der Strafversetzung wegen Unfähigkeit seines
Vorgängers die Stelle des Hauptlehrers in Iffezheim und klagte:
„Hier war ich nun Lehrer, zugleich Organist und Rechnungssteller.
Der Zustand der Schule war geradezu erbärmlich. Ich hatte 209
Schüler als einziger Lehrer. In den oberen Klassen konnten nur sechs
Schüler lesen, alle anderen mußten lautieren. Schreiben und
Buchstabieren waren ihnen fremde Dinge. […] Sie konnten keine
Zahlen vervielfachen, nicht einmal geläufig zusammenzählen und
abziehen. [...]“
Anfang der 1870er besuchten mehr als
300 Schüler die Schule. In Folge wurden beim Rathausneubau 1873 im
Obergeschoß eine Wohnung für den zweiten Hauptlehrer und ein
Schulsaal eingerichtet. Ein erneuter Schulhausneubau zeichnete sich
am Horizont ab, als Mitte der 1880er Jahre die Volksschule von bisher
vier auf acht Klassen verlängert wurde. Die acht Klassen wurden von
vier Lehrern unterrichtet.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts
nahmen die Pläne zum Neubau einer Volksschule Gestalt an. Als
Bauplatz erkor sich die Gemeinde den seit 1848 nicht mehr belegten
Friedhof am damaligen Ortsende, an der Gabelung der Straßen nach
Rastatt, Sandweier und Baden.
Am 9. Juni und 9. November 1910 stimmte
der Rat unter Bürgermeister Konrad Mußler für den Bau des neuen
Schulhauses mit vier Schulräumen auf zwei Etagen und einer Wohnung
für einen Unterlehrer im Dachgeschoß auf dem ehemaligen
Friedhofgelände. Eine weitere Lehrerwohnung sollte in einem neu zu
bauenden Wohnhaus im Weierweg entstehen. Die von Architekt Weinschenk
veranschlagten Kosten von 50 000 Mark für den Schulhausbau mit Anklängen von
Jugendstil und Art Déco sollten
aus den Grundstücksverkäufen am „Forlenspitzen“ für einen
Exerzierplatz der Rastatter Garnison mitfinanziert werden. Am 27.
November 1911 konnte das Schulgebäude entlang der Hauptstraße
eingeweiht werden. Nach einem Schülergottesdienst zogen
Honoratioren, Schüler und Lehrer vom Rathausplatz zur „Neuen
Schule“, wie sie fortan genannt wurde. Die feierliche
Schlüsselübergabe von Architekt Weinschenk an Schulleiter Andreas
Schüssler endete mit Liedvorträgen der Schulklassen. Die Schüler
erhielten abschließend ein Weck mit einer Wurst. Während sich die
Honoratioren mit den geladenen Gästen zum Frühschoppen ins Gasthaus
„Zum Anker“ begaben, versammelten sich Arbeiter und Handwerker im
„Grünen Hof“. Die Baukosten des Schulhauses beliefen sich
schlußendlich auf 51 272,70 Mark. Der Toilettenbau im Hof schlug mit
1 507,61 Mark und das Architektenhonorar mit 2 326,80 Mark zu Buche.
Insgesamt zählte Iffezheim im November
1911 409 Schüler, die von sechs Lehrkräften unterrichtet wurden.
Der Neubau zeigte sich schnell als zu kurzsichtig geplant, denn trotz
weiterer Nutzung des Ratsaales, mußte das alte Schulhaus bald wieder
in Betrieb genommen werden. Im Frühjahr 1923 faßte der Rat den
Beschluß, einen Anbau im Hof der „Neuen Schule“ mit weiteren
sechs Räumen zu bauen. Der von August Diehm eingereichte Vorschlag
belief sich auf sechs Millionen Mark. Im Rahmen der
Erweiterungsarbeiten wurden im Keller eine Kochschule, ein Volksbad
sowie Räumlichkeiten für die „Industrieschule“, dem Vorläufer
des Handarbeits- und Haushaltungsunterrrichtes, eingerichtet.

Mitte der 1960er wurde die Schule um
zwei weitere Klassenräume im Schulhof, dem heutigen Musikpavillon
erweitert. 1971 zogen die Klassen 5-9 der Hauptschule in den Neubau
der „Nachbarschaftshaupt- und realschule“ im Weierweg, womit das
Schulhaus von 1911 reine Grundschule wurde. 1988 wurden Altbau und
Pavillon von Grund auf saniert. 1994 wurde die Grundschule mit der
Einrichtung der eigenen Rektoren- und Konrektorenstellen eine
unabhängige Lehranstalt. 1999 erhielt die Schule durch einen Neubau
in Zusammenarbeit mit dem Turnverein eine Turnhalle, den
„Turnschopf“, weitere Klassenzimmer und Räumlichkeiten für die
Kernzeitbetreuung. 2011 besuchen 177 Schüler die Grundschule. Je
Klassenstufe wird eine Regelklasse und eine bilinguale
Klasse(deutsch-französisch) unterrichtet. Das Kollegium besteht aus
dreizehn Lehrkräften und der Rektorin Rike Schira.
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