Der Westwallbau 1938/39

Der Bau des Westwalls markiert den Beginn einer neuen Zeit. Das bisher in sich geschlossene Sozialgefüge, wo jeder jeden von der Wiege bis zur Bahre kannte, wurde erschüttert. Von 1938 bis 1939 wurden auf der Gemarkung über 70 ober- und unterirdische Bunker als Teile des sogenannten „Westwalls“ angelegt. Von den vielen Arbeitern blieben zahlreiche nach Ende der Arbeiten in Iffezheim. Dadurch kamen erstmals seit Jahrhunderten „Fremde“, „Ningschmeckte“ in den Ort und veränderten das bisher homogene Sozialgefüge (28).
Ebenso blieben einige der Soldaten der Bunkerbesatzungen nach dem Krieg in Iffezheim. Zu ihnen gehören bspw. Frohmut Fichtner und Josef Hieke. Der weltweit berühmteste in Iffezheim stationierte Soldat ist der 1895 geborene Schriftsteller Ernst Jünger. Er war bis Mai 1940 in Iffezheim und zog dann hinter den Fronttruppen nach Frankreich.(97)
Der Westwall bestand aus mehreren Linien und wurde für das Heer erstellt. Die ersten drei Linien bestanden aus Kampfbunkern. Die vorderste Reihe stand direkt am Rheinufer. Die zweite etwa entlang der "Kleinen Werb", des tullanschen Hochwasserdammes, der das Gewann "Im Octorfeld" etwa 150 m westlich der heutigen L78a durchquerte. Die Werb wurde abgetragen um Abdeckmaterial für die Bunker zu erhalten. Vom nördlichen Teil des Dammes ist noch der Weg entlang des Gewannes "Außer der Tieflach" erhalten. Die dritte Reihe entstand längs des Gestadebruches. Viele werden sich noch an die Ruinen entlang des "Bachwähles" und beim Schützenhaus erinnern. 
Die vierte Linie bestand aus Versorgungsbunkern und ging quer durch den heutigen Ort. Ein Sanitätsbunker mit OP stand auf dem Gelände des Kindergartens am Mittelweg. Ein Batallionsbunker, welcher von der Bevölkerung in den späteren Kriegsjahren als Luftschutzbunker genutzt wurde, liegt in Teilen heute noch unter dem Gelände des Sägewerkes. Schutzbunker gab es auch entlang des Sinzheimer Weges. 
Die fünfte Linie aus Unterstandsbunkern verlief hinter dem Kieswerk Kern und dem Niederwald. Die letzte Linie, bestehend aus Kommandobunkern, verlief entlang des Schwarzwaldes. Auf dem Schliffkopf soll es noch unversehrte Bunker dieser Linie geben.
Ab Anfang 1939 wurden von der Luftabwehr zusätzliche, größtenteils unterirdische Flakbunker am Weierweg und Blumenweg sowie auf dem Bruchwegbuckel errichtet (104). 
Den einzigsten Vorteil den Iffezheim aus dem Westwallbau zog, war der Neubau zweier Brücken über den Altrhein. Sie ersetzen die schwankenden Holzbrücken über die "Pfiller Kehl" und den "Alten Bau". Diese beiden Holzbrücken waren derart baufällig, daß die Bauern, welche sie mit dem Kuhgespann auf dem Weg zu ihren Feldern überqueren mußten, das "Doodshemm" anhatten. Da die alten Brücken der Last der Bau-LKW nicht standgehalten hätten, wurden sie im Zuge des Westwallbaus durch Betonbrücken ersetzt. Die Bauern konnten aufatmen.
 
Euer Kommentar an Matthias
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