23. Juni 2025

 
 

Ratssitzung 23. Juni 2025

 

 

 

 
 

 

 

Sanierung St. Martin

Die Erweiterung und Sanierung der Kindertagesstätte St. Martin in der Kapellenstraße erweist sich als aufwendig. Bevor die Überreste eines Lazarettbunkers auf dem Parkplatz des Kindergartens entfernt werden können, muß eine Untersuchung auf Kampfmittelreste erfolgen.

Laut Leonhard Wagenbrenner (in „Um Rhein und Murg“, Heimatbuch des Landkreises Rastatt; Band 9; 1969) wurden 68 Bunkerwerke des Westwalls auf Iffezheimer Gemarkung errichtet. Ein unterirdischer Lazarettbunker, beziehungsweise seine Ruine, steht auf dem Gelände der 1967 gebauten Kindertagesstätte St. Martin an der Ecke Kapellenstraße / Mittelweg.

Unter dem Parkplatz liegen Bunkerreste und vielleicht Munition

Überreste dieses Bunkers stehen nun der Erweiterung des Kindergartens im Wege. Diese soll den bestehenden Altbau mit dem Pavillon an der Goethestraße verbinden. Unter dem derzeit als Parkplatz genutzten Teil des Hofes liegen die Schuttreste des Bunkers. Diese sollen freigelegt und entsorgt werden. Das Loch soll dann in Abstimmung mit einem Statiker wieder verfüllt werden. Diese Maßnahme gestaltet sich als aufwendig:

Die Berliner Uxo Pro Consult GmbH war mit der Überprüfung des Verdachts auf Kampfmittelbelastung beauftragt worden. Auf Grund von auf Luftbildern zu findenden Gräben sahen die Berliner den Verdacht auf Kontamination bestätigt. Laut den Beratern wurden in Stellungsbauten häufig Blindgänger entsorgt. Es sei davon auszugehen, daß in Teilen des zu erkundenden Gebietes noch Sprengbomben oder andere Kampfmittel vorhanden seien.

Luftbild der englischen Luftwaffe vom 19. März 1945
Es zeigt den Bahnhof und im unteren Teil
den Schützengraben, der den Mittelweg entlang verläuft.
Quelle: Emperial War Museum London

Sie empfehlen daher, die nähere technische Untersuchung durch eine Kampfmittelsondierung durch staatliche oder private Stellen durchführen zu lassen. Wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, empfehlen sie dringend, keine Eingriffe in den Untergrund vorzunehmen, bevor weiterführende technische Untersuchungen stattgefunden hätten. Bis zum Beginn der Baumaßnahme sei keine Sperrung des Bereiches notwendig.

Laut Sitzungsvorlage erfolgen die Arbeiten mit einer bauseitigen Kampfmittelbegleitung und müßten daher in einem Bauabschnitt zügig und am Stück durchgeführt werden. Der angrenzende Kleinkindspielplatz soll erhalten bleiben, falls sich die Maßnahme nicht größer als erwartet darstelle. Mit den Rückbau- und Erdarbeiten beauftragte der Rat einstimmig die Iffezheimer Firma Lorenz KG zum Angebotspreis von 44 748,93 Euro. Sie habe, laut Sitzungsvorlage, das im Vergleich zu den drei weiteren Bietern wirtschaftlichste Angebot vorgelegt.

Die Kosten für den die Räumung begleitenden Kampfmittelbeseitigungs- oder räumdienstes sind darin noch nicht enthalten, wie Bürgermeister Christian Schmid (Parteilos) auf Nachfrage mitteilte.

Der Auftrag zur Planung der technischen Ausrüstung (Heizung, Lüftung, Sanitär) vergab der Rat an das Rastatter Ingenieurbüro Wieland. Die Kosten belaufen sich laut Bauamtsleiterin Franziska Kraft auf etwa 170 000 Euro.

Photovoltaik auf dem Feuerwehrhaus

Auf das Dach des neugebauten Feuerwehrhauses mit DRK-Depot in der Hügelsheimerstraße wird im Frühjahr kommenden Jahres eine knapp 80 kWp starke Photovoltaikanlage gebaut werden. In der Ratssitzung vergangenen Montag ebnete der Rat der Renngemeinde einstimmig den Weg dafür. Auf Grund der Photovoltaikpflicht bei Neubauten in Baden-Württemberg, kommt er nicht daran vorbei.

Im Gegensatz zu einer früheren Planung, wird diese nicht von der BürgerEnergieGenossenschaft Durmersheim, sondern von der Gemeinde Iffezheim selbst betrieben werden. Die Verwaltung sieht in der Deckung des Eigenverbrauchs einen größeren Nutzung, als in der Verpachtung der Dachfläche. Der selbst erzeugte Strom soll die Unabhängigkeit des Gebäudes stärken und die Nebenkosten senken.

Kevin Schad von der Energieagentur Mittelbaden stellte den Räten zwei Konzepte vor: einmal mit und einmal ohne Batteriespeicher.

Das Dach soll mit etwa 180 400-450Wp Modulen vollständig belegt werden. Die Lösung ohne Batteriespeicher kommt laut Herrn Schad auf etwa 78 000 Euro. Sie amortisiert sich nach acht Jahren und wird nach einer Laufzeit von 20 Jahren 128 000 Euro erwirtschaftet haben. Die Summe ergäbe sich einerseits aus dem nicht eingekauften Strom und dem Verkauf des überschüssigen Stroms.

Die Lösung mit Batteriespeicher, für die sich der Rat entschied, kommt auf 87 000 Euro. Diese wieder einzuspielen dauert etwas länger. Nach zwanzig Jahren werden 144 000 Euro auf der Habenseite stehen.

Auf Nachfrage von Gianni Tedesco (SPD) bestätigte Bürgermeister Christian Schmid (parteilos), daß die notwendigen Vorarbeiten bereits während der Bauausführung durchgeführt worden seien. Die Idee des tief im Thema steckenden Herrn Tedesco, den bei der Feuerwehr und auf der Freilufthalle produzierten Strom gemäß dem Strombilanzkreismodell für weitere gemeindeeigene Liegenschaften zu nutzen, wurde in das Konzept mitaufgenommen. Die entsprechende Regelungstechnik soll mit ausgeschrieben werden, auch wenn für die in Frage kommenden Liegenschaften noch Stromlieferverträge bestehen. Die Verwaltung wurde mit der Umsetzung der notwendigen Schritte beauftragt.

Keine Sirenen ohne Fördergelder

Angesichts der Flutkatastrophe im Ahrtal beschloß der Iffezheimer Gemeinderat im November 2021 die Errichtung von drei Sirenenanlagen im Ortsetter. Als Standorte wurden damlas das Rathaus, die Maria – Gress – Schule und das Wasserwerk im Mittelweg in Betracht gezogen. 15 – 20 000 Euro wurden je Anlage veranschlagt. 10 850 Euro Fördergelder je Anlage stellte der Bund in Aussicht, wenn schnell genug beantragt wurde. Das hatte Iffezheim versäumt und ging leer aus. Auch bei der zweiten Charge (Sirenenförderung 2.0) wird die Renngemeinde ob ihres Verzuges im Hintertreffen bleiben und  leer ausgehen.

Im Rahmen der Haushaltsberatung 2025 stellte die SPD -  Fraktion den Antrag, die Sirenen unabhängig von Fördermitteln zu beschaffen.

Die Verwaltung sieht in den Sirenen lediglich „eine Ergänzung zu den anderen bereits vorhandenen Alarmierungsmittel, insbesondere der Benachrichtigungen über Mobiltelefone“, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht. Neben den Anschaffungskosten führt die Verwaltung die Kosten für Betrieb und Wartung gegen die Sirenen ins Feld. Als Informationsquellen im Notfall führt die Vorlage die im Krisenhandbuch der Gemeinde vorgesehenen anderen Alarmierungsmöglichkeiten auf: Elektronische Lautsprecheransagen, Aushänge, Flugblätter, Pressemitteilungen, Pressekonferenzen, alternative Internetseite, Internetseite, Hörfunk und Fernehen, Gemeinschaftsmedien.

Damit sei, so die Verwaltung, die Alarmierung der Bevölkerung auf verschiedenste Weisen sichergestellt. Vor diesem Hintergrund soll die Beschaffung der Sirenen zurückgestellt und auf weitere Förderprogramme gewartet werden, so die Verwaltung.

Daniel Haas (SPD) bekräftigte, daß die Sicherheit der Bevölkerung nicht von Fördermitteln abhängig gemacht werden sollte. Sirenen seien spontan und unmittelbar einsetzbar. Über das Internet und Gemeinschaftsmedien erreiche man nicht alle Bevölkerungsgruppen. „Sirenen hören alle!“, so Haas eindringlich und appellierte, gemeinsam für die Sicherheit der Gemeinde einzutreten.

Berthold Leuchtner (Fraktionsvorsitzender der CDU) sah es anders. Man habe 2021 ohne Fördermittel keine zwingende Notwendigkeit für die Anschaffung gesehen. Er könne nicht nachvollziehen, was sich in der Zwischenzeit geändert haben solle. Für den Verwaltungsvorschlag plädierte auch Martin Schäfer für die FWG – Fraktion. Das Informationsverhalten der Menschen habe sich geändert und sei kein Vergleich mehr zu vor 40 Jahren.

Gianni Tedesco (SPD) hielt es für falsch, die Sicherheit am Geld festzumachen und unterstrich mit Verweis auf die aktuelle Weltpolitik die Notwendigkeit der Sirenen. „Warum baut der Bund Bunker?“ „Was sind uns Menschenleben wert?“. Es sei fahrlässig, jetzt nichts zu machen. Auf Nachfrage von Beatrice Müller (FWG), „Was kann uns die Sirene sagen?“ antwortete Tedesco, die Sirene hole uns aus dem Alltag heraus, damit wir uns über die Medien über die Lage informieren.

Gegen die beiden Stimmen der SPD-Fraktion votierte der Rat für den Verwaltungsvorschlag, die Anschaffung von Sirenen zurückzustellen und auf weitere Förderprogramme zu warten.

Stadtjäger für Iffezheim

Einstimmig beauftragte der Iffezheimer Gemeinderat die Verwaltung, künftig  Stadtjäger einzusetzen. Sie soll die erforderlichen Vereinbarungen mit zwei sich vertretenden Stadtjägern und mit den Jagdpächtern abschließen.

In der Sitzungsvorlage beschreibt die Verwaltung den bestehenden Handlungsdruck: Seit geraumer Zeit seien vermehrt Wildtiere in den als „befriedeter Bereich“ bezeichneten Siedlungsbereich eingedrungen. Das Konfliktpotential nehme zu und würde zunehmend zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung führen.

Die vorab schriftlich gestellte Anfrage, wie viele Vorfälle mit welchen Tieren zu dieser Maßnahme geführt hätten, beantworte Bürgermeister Chrisitan Schmid (parteilos) während der Sitzung. In den vergangenen 18 Monaten sei es zu vier bis fünf Zwischenfällen mit Dachs, Fuchs, Marder, Reh und Nutria gekommen.

Die Gemeinde wolle keine Zeit verlieren, um künftig gewappnet zu sein. Damit der Stadtjäger immer erreichbar ist, sollen Vereinbarungen mit zwei sich vertretenden Personen getroffen werden.

Jürgen Walter (FWG) wies darauf hin, daß er von derzeitigen Jagdpächtern angesprochen worden sei, daß diese nach Ablegung der notwendigen Prüfung gerne das Amt übernehmen würden. Für Heiterkeit sorgte die unbeantwortete Frage, ob der Stadtjäger das im Carport erschossene Reh dem Jagdpächter überlassen müsse und der Hausbesitzer das Reh dann von diesem kaufen müsse?

 

 
 
Euer Kommentar an Matthias

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