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24. April 2016

 

 

Gläserne Produktion:
Stefan Schneider öffnet Tür und Tor

 

Nach dem ungemütlich verregneten Auftakt ins Wochenende, brach sich am Sonntagmorgen die Sonne ihre Bahn und trahlte mit Stefan Schneider um die Wette. Spargelbauer Stefan Schneider hatte im Rahmen der „Gläsernen Produktion“ Türe und Tores seines Hofes geöffnet und bot den Besuchern einen ungeschminkten Blick auf den Weg des „Weißen Goldes“ vom Acker bis auf den Teller des Feinschmeckers.

Nach dem weiten Weg zu dem Aussiedlerhof am Spitzenweg durfte sich der Besucher an mannigfaltigen Variationen des königlichen Gemüses erfreuen. In der zum Gourmettempel umgebauten Maschinenhalle kredenzten die Köche des Hofes Traditionelles wie Pfannkuchen mit Stangenspargel, aber auch Ausgefalleneres wie Zander oder Lachsmaultaschen mit Spargelsalat. Lange Schlangen bildeten sich vor der Theke um den Leckereien habhaft zu werden.

 

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So gestärkt wurde der geneigte Besucher mit auf den Weg des „Asparagus officinal“ vom Acker bis in den Kochtopf mitgenommen. Manch einer verzichtete ob des aufgeweichten Bodens aus Sorge um seine Sonntagsschuhe auf die Fahrt mit dem Kleinbus hinaus auf's Feld, wo die Stange das Licht der Welt nicht erblicken darf. Ihr Köpfchen würde sich sonst violett verfärben. Das geschulte Auge der Spargelstecher erkennt die hauchfeinen Risse in den glatt gestrichenen Dämmen, das Zeichen, daß  der Trieb kurz vor dem Durchbruch steht und reif für die Ernte ist. Sorgfältig wird das Spargelmesser am Trieb entlang geführt und dieser in der Tiefe gekappt, herausgezogen und in Korb gelegt. Bis zu 120 Kilo erntet ein Stecher am Tag. Getrennt nach Mitarbeiter und Acker kommen die Spargelkisten im Hof an. Die nächste Station ist die Sortiermaschine, die 300 bis 400 Kilo Spargel in der Stunde verarbeiten kann. Neun Aufnahmen schießt die Kamera von jeder Stange, um sie dann – auf die Einheitslänge von 22 Zentimetern gekürzt – je nach Dicke, Krümmung, Köpfchen einer der 16 Sortierungen zuzuordnen. So kann Schneider seinen Kunden das großes Spektrum vom günstigen Spargel für Jedermann bis zum Luxus der Spargelköpfe anbieten.

Weiter geht’s zur neuen Schälmaschine, die auf zwei Linien zugleich mehrere Spargel am Messer hat und es so auf einen Durchsatz von etwa 300 Kilogramm je Stunde bringt. Die Gastronomie erwarte morgens geschälten Spargel, erklärt Stefan Schneider, der vor 30 Jahren mit dem Spargelanbau begonnen hatte, den enormen Maschineneinsatz. Neben der Gastronomie beliefert der Hof Großküchen, einige kleinere Händler, drei Edeka-Märkte und tauscht mit anderen, lokalen Landwirten Produkte aus. Da er will, daß sein Spargel in der Region bleibt, ist der Großmarkt außen vor. Die Menschen sollen wissen, woher der Spargel kommt und vorbeikommen und sich den Hof ansehen können. Ein großes Standbein sei die Direktvermarktung, so Schneider. Im Hofladen bekomme der Kunde den Spargel auf Wunsch frisch geschält und könne die dafür benötigte Zeit für ein Schwätzchen nutzen oder Fragen zur Produktion stellen. Er oder ein anderer kompetenter Mitarbeiter seien immer vor Ort, um Auskunft zu geben.

Über die Landwirtschaft aufzuklären, ist Schneider ein großes Anliegen, weshalb er neben der Arbeit mit Schulklassen die Gelegenheit, sich im Rahmen der „Gläsernen Produktion“  zu präsentieren, mit Freuden nutzt. Die konventionelle Landwirtschaft werde immer an den Pranger gestellt, die Böden zu vergiften, dem sei nicht so. Der Landwirt handle verantwortungsvoll, denn schließlich müsse er davon leben. Da immer weniger Menschen in der Landwirtschaft tätig seien, müßten mehr Maschinen eingesetzt werden, die sich ihrerseits nur über größer Flächen rechneten, zeigte er ein Dilemma auf. Hinzu komme in Iffezheim der Flächenverlust durch den Kiesabbau. Ein Spargelacker benötigt drei Jahre von der Aussaat bis zur ersten Ernte, klärte Schneider über den enormen Vorlauf auf. Dann könne sechs bis maximal zehn Jahre lang geerntet werden. Danach müsse die Fläche auf ein anderes Produkt umgestellt werden. Wegen der immer kleiner werdenden landwirtschaftlich Nutzfläche, müsse die Fruchtfolge mit Körner- oder Saatmais intensiviert werden, was auf den schlechten, weil sandigen, Böden der Hardt nur über Beregnungsanlagen möglich ist. Mit Getreide könne auf der Hardt kein Ertrag erwirtschaftet werden.

Besonders stolz ist Stefan Schneider auf seine Mannschaft und seine Töchter, die mit ihren Partnern immer auf dem Hof zu finden sind, wenn Not an Mann und Frau sei. Der sichtlich in sich ruhende Landwirt  zog Bilanz: „Ich bin zufrieden wie es ist!“

 

 
Euer Kommentar an Matthias

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