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12. Mai 2016

 

 

Harald un Gunzi
s'Äffle un 's Pferd

 

Zum ihrem fünften Wiegenfeste hatte sich die Iffezheimer Bibliothek mit Gunzi Heil und Harald Hurst zwei Sprachjongleure auf die Bühne geholt, die dem „zuvielschd“ in die Festhalle gekommene Publikum „hurschdmäßig“ Lachtränen und viel Applaus entlockte.

 

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Auf der linken Bühnenhälfte hatte sich mit zerschrammten Flügel und Kisten und Kästen Gunzi Heil eingerichtet, der, wie immer blond gelockt und in rotem Beinkleid, den musikalisch-clownesken Part des Abends übernahm. Die locker und leicht vorgetragenen Lieder des studierten Literaten und Philosophen mit ihren zahllosen, klingenden Block-, Kreuz-, Paar-, End-, Binnen-, Vexierreimen und Alliterationen hätten jeden Deutschlehrer als Fundgrube für den Lyrikunterricht entzückt. So auch bei dem Lied um „bloß, bloß, bloß, Bolognesesoß'“ in dem der Hobbykoch vor der Kasse in der „Schlang' den ganzen Gang entlang“ landet.

Auch aus dem Stegreif überzeugte der Grünwinkler: Aus dem einleitenden Geplauder mit dem Publikum um Besucher, die in Wintersdorf starten und im Mai ankommen, um Integrationsmomente, bei den Schwaben am Rande und Pfälzer mittendrin sitzen, schuf er das Donnerstagabendiniffezheiminderfesthallelied um verflossene Flammen, Iffezheimer, die seit fünf Jahren Bücher lesen können, die letzte Woche von „Putzfrau Ilona“ endlich einmal abgestaubt worden waren und der mörderischen Tat: „Ich vergift se in Iffze“, das den Zuhörern Tränen der Freude in die Augen trieb. Ins Gschwätzgebabbel zwischen Äffle und Pferd zur Zugabe ließ Heil die Motive des Eingangsgeplauders nochmals einfließen.

Eine auf der Toilette liegende Apothekenrundschau griff Heil zum Gesundheitsblues mit Notfallvorsorge auf, wo es trotz Bio und positivem Streß nur zum gemeinsamen Treff beim Sanitätshaus reichte. Zu Herzen gehende Lieder wandelten sich in „widerliche Organhandellieder“ (Gib mir mein Herz zurück) und es reifte die Einsicht, daß man nach einem Ba-, Ba-, Ba-, Bandscheibenvorfall auf sieben Krücken gehen muß.

Auf der rechten Bühnenseite stand der Vorlesetisch von Harald Hurst mit der obligaten Flasche Rotwein, von wo aus er nicht nur mit seinen vorgelesenen Geschichten und Gedichten, sondern auch mit seinen Geschichten um die Geschichten und Gedichte das Publikum faszinierte.

Ab und an, wenn die Sonne kräftig scheint und Harald Hurst genug davon hat, darauf zu achten, ob Wörter  aus undichten Gedichten tropfen, packt ihn das Fernweh und er das Fahrrad. Er gibt sich frei, es treibt ihn hinaus, er ist unterwegs zum Horizont! Ein Unterwegs, das in Grünwinkel endet, im Biergarten, dort unter der Kastanie, wo er und das Fernweh zur Ruhe kommen.

Dem Philosophen unter den Mundartdichtern werden die Themen wohl nie ausgehen, offenbarte er, denn schließlich spiele sich das Leben vor seinem Küchenfenster, vor seinem Biergartentisch, vor und hinter ihm in der Stadtbahn ab. Er müsse es nur im Originalton aufschreiben. Dank seiner phänomenalen Beobachtungsgabe kennt er seine Badner besser, als diese sich in ihrem Hosensack aus. So auch Karin, die am Tatortsonntagabend gemütlich vor dem Fernseher verblöden möchte, und Armin der bei Schuß- statt Wortwechsel den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag vermisste. Selbst die von ihr heiß geliebten Kochsendungen schlügen sich nicht im Speiseplan nieder, obwohl er doch eher der traditionellen Speisefolge huldigt, bei der „alles schmeckt wie immer“ und bei der er keine mutwilligen Abweichungen vom Originalrezept duldet.

Der Badner und der Fremde, seit Jahren eine von Hursts Inspirationsquellen, prallten auch an diesem Abend in Form des nach Hunger stillender regionaler Küche Ausschau haltenden Lüneburgers und des Ettlingers, der „da Schlabbe“, den gut integrierten Griechen empfahl, von dem aus die Reste vom Riesenschnitzel bequem im „Henglgiggle“ zusammen mit den „lummeligen Bubespitzle“ ins Hotel Garni getragen werden können.

Zwei herausragende Vertreter der Sparten Kleinkunst und Literatur, sie allein auf Komödianten zu reduzieren, wäre zu kurz gesprungen, sorgten in der Festhalle für ein außergewöhnliches, herzerfrischendes Donnerstagsabendvergnügen.

 

 

 
Euer Kommentar an Matthias

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